Auf der e-world wurde das erste zertifizierte Smart Meter Gateway vorgestellt. Das ist interessant für die Anbieter digitaler Gebäudedienste, doch für die Selbstabrechnung der Nebenkosten gar nicht nötig.

Auf der Energiemesse e-world in Essen wurde vergangene Woche mit rund zwei Jahren Verspätung das erste zertifizierte Smart Meter Gateway (SMGW) präsentiert, das die digitale Energiewende im Gebäudebereich ermöglichen soll. Das SMGW verfügt im Gegensatz zu bisheriger Messtechnik über wesentliche Zusatzfunktionen (siehe "Die Versorger wollen an den Mieter ran"). Die Abrechnung einzelner Endverbrauchsstellen (Submetering) kann mit dem SMGW zwar leicht in eine einheitliche Plattform integriert werden, das ist aber gar nicht der Hauptaspekt des Geräts. "Es geht nicht in erster Linie ums Messen, wir führen eigentlich ein Steuer- und Regelsystem ein", erklärte Thomas Wolski auf der e-world. Er ist Marketingleiter des Herstellers PPC, der sein SMGW seit Dezember einbauen darf. Der flächendeckende Rollout ist gesetzlich erst vorgesehen, wenn drei Anbieter eine solche Zertifizierung haben.

Darauf müssen Vermieter, die ihre Nebenkostenabrechnung selber erstellen wollen, jedoch gar nicht warten. Über ihre Tochter Smarvis bietet beispielsweise die noventic group, die auch an PPC beteiligt ist, schon seit gut zwei Jahren einen Selbstabrechnungsdienst an. Smarvis kann einerseits die automatische Verbrauchsdatenerhebung per Smart Meter darstellen, andererseits dem Vermieter die Nebenkostenabrechnung auf Knopfdruck ermöglichen. "Der Vermieter kann den Prozess von der Ablesung bis zur Erstellung der Nebenkostenabrechnung volldigital aus einer Hand anbieten, ohne Medienbrüche", erläutert Smarvis-Geschäftsführer Frank Reschke. Über 130 Unternehmenskunden nutzen die Smarvis-Plattform, die meisten aus der Wohnungswirtschaft. Das größte Projekt umfasst derzeit 80.000 Wohneinheiten in Berlin. Ein ähnliches Komplettangebot bietet das Unternehmen Qivalo, das seine Wertschöpfungskette im September 2018 mit der Übernahme des Abrechners Promos.FM gestärkt hatte.

Auch ohne Anbindung an ein SMGW legt Smarvis großes Augenmerk auf die Datensicherheit. "Unsere Plattform wird von IBM Deutschland gehostet, die Sicherheitsstandards sind entsprechend hoch", sagt Stefan Gärtner, Leiter Vetrieb von Smarvis. Das SMGW bringt für Wohnungsunternehmen nach Ansicht der Smarvis-Manager dennoch Vorteile. So dürfen ab 2020 im Submetering nur noch Geräte verbaut werden, die funkfähig sind. Leiten die ihre Daten über ein SMGW, entfällt die Notwendigkeit, eine parallele IT-Infrastruktur für die Übertragung der Heizwärmedaten zu unterhalten.

ImmobilienZeitung, https://www.immobilien-zeitung.de/149972/selbstabrechnung-ist-keine-utopie