Das Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende ist dafür verantwortlich, dass die Ablesetechnik digitaler wird. Dadurch können auch Verwalter und Vermieter mit dem Messen Geld verdienen, wie Stefan Beberweil von der Qivalo GmbH beim diesjährigen Haufe Kongress für die Wohnungswirtschaft in Dresden erklärt.

Die Qivalo GmbH hat mit einem innovativen Geschäftsmodell im vergangenen Jahr den Markt der Messdienstleistungen und der Erfassung von Strom-, Gas- und Wasserverbrauch aufgewirbelt. Die an Qivalo beteiligte Immobiliengruppe Rhein-Neckar (IGRN), die mit dem Mannheimer Energieunternehmen MVV ein Joint Venture gegründet hat, wendet die Produkte und Geschäftsprozesse von Qivalo seit 2017 in den IGRN-Immobilienbeständen an.

Qivalo bietet ein modulares System an, um Daten zu erheben und für alle weiteren Anwendungen in der Abrechnung oder Analyse bereitzustellen. Wohnungsunternehmen und Immobilienverwaltungen können dadurch Abrechnungen im eigenen Haus realisieren. Damit sparen sie die Kosten für den Messdienstleister. Und mehr noch: Sie generieren sich zusätzliche Einnahmen.

„Für Immobilienverwalter ist die Selbstabrechnung eine gute Chance, im umkämpften Verwaltermarkt zusätzliche Marge neben der Verwaltergebühr zu verdienen.“ Stefan Beberweil, Geschäftsführer von Qivalo

Kunde übernimmt Hoheit über Daten und Prozesse

Das Konzept beinhaltet die Verknüpfung von Smart Metern für Strom, Wasser und Gas mit den Messgeräten für die Heiz- und Wasserkostenabrechnung. Zusammen mit einer cloudbasierten Software und durch offene Schnittstellen zu den ERP-Systemen landen die Daten direkt beim Immobilienverwalter. Im Gegensatz zum traditionellen Messdienstmodell übernehme bei Qivalo der Kunde die Hoheit über Daten und Prozesse, erklärte Beberweil. Es entstünden offene Messdienstlösungen - und eine vollständige Transparenz.

„Das Besondere am System ist die volle Ausrichtung auf Digitalisierung und Automatisierung mit der Möglichkeit nicht nur Wohnungszähler, sondern auch Hauptzähler einzubinden“, erklärt Beberweil. Durch die moderne IT-Lösung bekomme der Immobilienverwalter zudem jeden Tag Einsicht in alle Daten einer Immobilie. Das schaffe Sicherheit und mache  Mieterwechsel zu jedem beliebigen Datum leicht möglich.

Abrechnung schneller und einfacher

Im Vergleich zum traditionellen Messdienst erfolge die Abrechnung schneller, einfacher und kostengünstiger, so Beberweil.

„Das System kann Einsparungen im Bereich von 30 bis 40 Prozent bringen. Der Rest verbleibt als potenzielle Marge beim Immobilienverwalter.“ Stefan Beberweil, Geschäftsführer von Qivalo

Und nicht nur Verbrauchsdaten ließen sich über das System managen, betont er. Es gebe zum Beispiel auch die Möglichkeit, Rauchwarnmelder mit zu überprüfen und zu schauen, inwiefern diese noch funktionsfähig sind. Das spare den Immobilienunternehmen die Wartung, erklärt Beberweil.

Eine Hürde, die Qivalo am neuen System sieht, sind langfristig laufende Verträge mit Messdienstleistern. Diese machten einen Wechsel für Immobilienverwalter und Gebäudeeigentümer nicht gerade einfach, so Beberweil.

Neues Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende

Hintergrund für die neuen Möglichkeiten in der Ablesetechnik ist das Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende. Intelligente Stromzähler werden sukzessive Pflicht. Mit Einführung der Smart Meter wird es nur noch eine Infrastruktur für Fernablesung geben. Dies gewährleisten sogenannte Gateways, die die Qivalo GmbH zur Verfügung stellt.

Als Technologiepartner für das System von Qivalo sind die Haufe Group und FIO Systems mit an Bord. Der Abrechnungsservice ist jedoch nicht nur auf die Software Haufe-FIO axera beschränkt, sondern soll auch an ERP-Lösungen anderer Hersteller angebunden werden können.